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WIE ALLES BEGANN – INDIEN 2006

In Indien begann 2006 meine Begeisterung für das Reisen – nahezu ungeplant, nur mit Rucksack und den nötigsten Dingen im Gepäck eine neue Welt, eine neue Kultur und deren Menschen entdecken und kennenlernen. Das Titelbild dieses Beitrags zeigt die wohl ungewöhnlichste Begegnung meiner Reisen, in Varanasi – die wohl heiligste Stadt der Hindus – am Fuße des heiligen Flußes Ganges. Die Männer auf dem Bild sind Sadhus, Heilige, die sich dem normalen Leben abgekehrt haben. Diese Sadhus haben eine starke Verbindung mit dem Tod. Sie reiben sich mit der Asche der Verbrannten ein, schlafen auch auf Grabplätzen. Und ja der erste Eindruck war erst mal mit Unsicherheit und Unwohlsein belegt. Und doch haben sie pure Neugier geweckt als sie mich und meine Freundin aufforderten bei ihnen Platz zu nehmen. Die Zeit war knapp, da wir auf dem Weg zum Flieger waren und dennoch war es einer der besondersten Momente in meinem Leben. Dieser Moment hat mir die Augen geöffnet, dafür wie oft wir aus Unsicherheit auf Abstand gehen und es eigentlich genau dann lohnenswert ist, näher hinzuschauen. Es waren unheimlich herzliche Männer, die einfach Lust hatten in den Austausch mit uns zu gehen und zwei Mädels bei sich sitzen zu haben. Verflogen war das komische Gefühl der Unsicherheit. Mein Herz hatte sich wieder ein großes Stück für die Menschen dieser Welt geöffnet.

Seit damals sind fast 10 Jahre vergangen. Im Juli 2013 bin ich zum ersten Mal alleine für drei Wochen mit meinem Rucksack in Indonesien unterwegs gewesen. Kurz davor hatte ich meinen Job gekündigt. In diesem Jahr bin ich für vier Wochen erneut in Bali und Lombok gewesen – ohne Plan, mit einem Flugticket und meinem Rucksack bin ich gestartet. Diese Reise war eine Zäsur in meinem Leben und hat erneut vieles verändert.

Auf der wunderschönen Insel Gili Meno ist am 30.06.2015 früh morgens ein Tagebucheintrag entstanden, den ich nun gerne mit euch teilen möchte.

URLAUB ODER REISEN –
WIESO REISEN EINEN ECHTEN UNTERSCHIED MACHT

Heute früh ist es mir kurz nach dem Aufwachen in meinem kleinen Bungalow auf Gili Meno wie Schuppen von den Augen gefallen: Ich reise gerade, ich bin nicht auf Urlaub. So viele haben mir vor dem Abflug nach Indonesien einen schönen Urlaub gewünscht und irgendetwas passte da nicht. Ich konnte es jedoch nicht wirklich greifen.

Und ja, es gibt hier Leute, die machen Urlaub auf Bali und es gibt Leute, die reisen.
Für die Urlauber ist der Flug nach Bali ein Ticket zum Abschalten. Es soll garantieren, dass sie sich möglichst 2-3 Wochen nicht mit ihrem Job beschäftigen müssen oder mit sonstigen Problemen, die sie daheim gelassen haben.

Und nach dem Urlaub?

Nach dem Urlaub haben ich diese Menschen erlebt, die häufig nach dem ersten Tag im Büro klagen, dass ihre ganze Erholung dahin ist. Wie kann ein Tag Büro drei Wochen Erholung zerstören, wenn diese den Körper gestärkt und die Seele genährt hat? Kann das Urlaub wirklich leisten? Ich meine begrenzt.

Zwei Wochen die Beine von mir strecken und nichts tuen, lässt mich nicht gestärkt für neue Herausforderungen die Heimreise antreten. Im Sport und auch in der Stressforschunhg weiß man längst, dass es immer Anspannung und Entspannung im Wechsel benötigt, damit Kräftigung von Muskeln und Nerven möglich ist.

„Koma“-Pausen oder „aktivierende“ Pausen

Pausen sind lebensnotwendig, aber es gibt für mich „Koma“-Pausen oder „aktivierende“ Pausen. Ich kann auf meinen Off-Knopf schalten und für zwei Wochen nichts aus meinem „echten“ Leben an mich heranzulassen versuchen. Ich sehe Urlaub dann als Ablenkung von meinem Leben, was ich insgeheim gerne anders leben möchte – nur nicht weiß wie oder nicht den Mut habe, etwas Wesentliches zu ändern. Nach dem Urlaub erwache ich aus meinem „Komatösen“ Zustand und stehe wieder vor meinem echten Leben, wie eh und je, mit ein paar Sonnenstunden mehr im Gepäck.
Da unser Leben im Hier und Jetzt stattfindet, wirken die extra Sonnenstunden nur begrenzt, wenn die Arbeitsberge auf dem Schreibtisch und im Email-Posteingang eigentlich nach tiefer Gelassenheit und innerer Stärke rufen.

Wo macht Reisen hier den Unterschied?
Was hat Reisen mit „aktivierenden“ Pausen zu tun?

Wenn ich reise drücke ich nicht den Off-Knopf meines Lebens. Ich bin zwar eine Zeit lang nicht mehr an meinem Wohnort, mein Leben ist jedoch überall mit mir dabei. Ich bin niemand anderes auf Reisen, sondern werde immer mehr zu der Person, die ich wahrhaftig bin – ohne ein Konzept darüber aufzubauen, wer ich bin. Ich bin einfach. Und ich erlebe mich im Kontakt mit anderen Menschen: mit Einheimischen, mit Reisenden, mit Urlaubern. Ich gehe mit offenen Augen durch die neue Welt, die mir das Reisen eröffnet. Ich schaue nicht weg, sondern ich schaue hin und schaue an.

Wieviele Menschen haben bei uns zu Hause Angst vor neuen Begegnungen und halten ihren Blick lieber gesenkt?
Wie viele Menschen leben das im Urlaub genauso weiter?

Einheimische und Reisende sind offen für Kontakt und neugierig sich selbst und andere kennenzulernen, Neues dazuzulernen. Na klar, mit jeder neuen Begegnung auf Reisen begegne ich mir selbst. Und ich lasse mich berühren von den Geschichten der Menschen, die mir begegnen – ich lache mit ihnen und ich weine mit ihnen, ich fühle mich verbunden oder gehe in inneren Widerstand. Und all das lässt mein Herz reicher und stärker werden.

Eine „aktivierende“ Pause ist Leben im Hier und Jetzt, ein sich treiben lassen mit den Begegnungen und Erlebnissen, die die Reise für uns bereit hält. Und auf jeden Reisenden wartet etwas anderes, etwas nur für ihn bestimmtes. Ein ganz persönliches Päckchen aus Erfahrungen, das uns wachsen und reifen lässt.

Reisen lehrt uns so viel übers Leben.

Wir können unser Leben nicht durchplanen, auch wenn wir uns das gerne vormachen. Reise ohne starres Ziel und ohne vorher gebuchte Unterkunft, lehrt uns, dass sich alles so fügt, wie es ohnehin kommen wird. Reisen zeigt uns, wie viel Freude es macht, intuitiv von Moment zu Moment zu entscheiden. Und genau davon brauchen wir alle mehr. Im Planen und Kontrollieren sind die meisten von uns bereits echte Groß-Meister… Ich nehme mich da übrigens nicht aus!

Reisen und das Leben spüren

Wenn du mal wirklich etwas über dich und dein Leben erfahren willst, dich neu entdecken willst, dann buch dir ein Single-Flugticket an einen Ort auf der Welt, der dich anzieht. Nimm einen Rucksack, begrenze dich auf Weniges und Wesentliches und lass Platz für viele bereichernde Erfahrungen und Begegnungen, die du mich nach Hause bringen wirst. Dinge, die dir niemand mehr nehmen kann, auch kein Berg mit Arbeit auf dem Schreibtisch…

Und aus all diesen Gründen und noch vielen mehr, bin ich von Herzen gerne eine Reisende und immer neugierig, was das Leben noch so alles für mich bereit hält…

 

Wie stehst du zu Urlaub oder Reisen? Was sind deine persönlichen Erfahrungen?
Ich freu mich, wenn du Lust hast einen Kommentar auf meiner Seite zu hinterlassen.